Nachdem ich mich in den letzten Wochen ein wenig mehr mit der Bekleidung der Rus beschäftigt habe, musste ich feststellen das ich von der aktuellen Bekleidung her einen etwas wohlhabenderen Wiki aus Haithabu und Birka darstelle. Tatsächlich ist eine solche Erkenntnis sehr ärgerlich. Grade wenn man viel Zeit und Geld in Brettchenborten und Stoffe versenkt hat.
Aber es hilft alles nichts. Eine neue Gewandung muss her.

Nun wurde erst einmal geprüft, was sich mit kleiner Modifikation noch tragen lassen würde… Beispielsweise ist der größte Unterschied, zwischen einer echten Rushose und einer nur als Rus-Hose bezeichneten Pluderhose, das der Pludrige Teil nicht kurz unter der Kniescheibe aufhört, sondern bis zu den Knöcheln geht. Da über dieser Pluderhose allerdings Stulpen getragen und mit Bändern eng verschnürt wurden, entsteht ein ähnliches Bild wie bei dem allgemein verwendeten und mit Wadenwickeln umschlossenen Pluder-Rushosenschnitt.
Ergo muss ich an dieser Stelle nur die Stulpen nacharbeiten und kann vorerst, ohne komplett meinen Kleiderschrank abfackeln zu müssen, die bereits vorhandene Hose tragen.
Auch die Untertunika, welche ich aktuell trage ist für einen Besucher nicht sichtbar. Also hat es noch ein kleines bisschen Zeit, bis ich diese durch eine Sorochka, aus ungebleichtem Leinen, austausche.

Zeichnung von Pinterest. Name des Malers unbekannt.

Ursprung: Pinterest. Realer Name des Malers unbekannt.

Wie ich bereits geschrieben habe, hab ich mich mit der Kleidung der Rus ein wenig näher auseinander gesetzt und habe einen wundertollen Künstler gefunden.
Dieser hat basierend auf Materialien aus der Grabung M.K.Kargera Kirche in Kiew Tithe (das Begräbnis №108), das Bild eines wohnhabenden Kriegers aus dem 10 Jahrhundert kreiert, an welchem ich mich mit meiner neuen Ausrüstung orientieren werde. Leider sieht man auf diesem weder die Sorochka, noch die Rubakha. Allerdings sieht man andere Merkmale der Ausrüstung sehr schön und kann sich so bereits ein grobes Bild machen.

Der hauptsächlich auszutauschende Teil wäre hier also die Tunika, welche der Rubakha weicht, Gürtel, Ledertaschen, Stoffgürtel und Kaftan (und weiteres Kleinzeug).
Beginnen wir nun also mit dem „Get Dressed as Rus“ Teil I, der Rubakha und dem Stoffgürtel, welches wohl das aktuell wichtigste sein wird.

Rubakha

Meine liebe Myrkva sammelt schon länger Quellen und Abhandlungen über verschiedene historische Stiche und diverse Kleidungsstile. Sauber geordnet nach Region war es für mich nicht schwer, in ihrer Sammlung, einen gut rekonstruierten Sorochka Schnitt zu finden. Da – wie ich gelesen habe – die Rubakha quasi eine etwas weitere Sorochka ist, habe ich diesen Schnitt übernommen und an meine Größe angepasst. Nur konnte ich über die Länge der Rubakha nichts weiter finden. Einige schreiben, das sie wohl wie eine normale Tunika über der Kniescheibe aufghört habe. Andere wiederum sagen das diese bis zur Wade ging. Ich selbst habe also nun erst einmal das Maximum aus der Länge heraus geholt (bis zur Wade). Aus rein optischen Gründen werde ich sie wohl noch einmal um 10cm verkürzen.

Nun kommen wir, dank der Länge, zum nächsten Problem. Durch die Länge der Rubakha in kombination mit meiner Größe (und entsprechender Schrittweite) mussten in die Seiten zwei Gêren eingesetzt werden. Diese sind – soweit mein bisher angeschafftes Wissen reicht – nicht als Fund überliefert und somit nicht 100% authentisch. Allerdings ist die Rubakha – sollte ich nicht den ganzen Tag im Lager sitzen und mich normal fortbewegen wollen – ohne diese nicht tragbar.

Das innere der Rubakha habe ich von meiner lieben Myrkva mit der „magischen Maschine“ vernähen lassen. Diese nähte sieht später kein Mensch (außer mir… oder ihr) und halten dann wenigstens so wie sie sollen. Alle äußeren Nähte der Rubakha (Hals- und Armumsäumung sowie Stickereien und Zierstiche) wurden alle nun entsprechend von Hand erstellt.

Am Kragen und dem Schlitz, welcher am linken Ende meines Halsausschnitts beginnt, wurde eine Säumung aus zwiebelgelber Wolle angebracht, welche mit einem ähnlich gelben Leinengarn vernäht wurde.
Ebenfalls wurden die Ärmel mit dieser Wolle gesäumt und die Naht aus Leinengarn mit einem Kettstich aus roter Wolle versteckt.

Stoffgürtel

Zu Beginn dieses Abschnittes muss ich sagen… ich bin nicht gerade Füllig. Ich bin eher dürr als massig… Und trotzdem reicht ein Gürtel aus der Stoffbreite von 1,40m nicht aus, um ihn am Ende sicher binden zu können. Es geht hier um den Stoffgürtel, welcher unter dem Waffen- und dem Taschengürtel getragen wurde. Dieser sitzt etwa auf Hüfthöhe und läuft in einem bis zwei langen Enden aus. Ich habe mich bei meiner „Kreation“ auf ein Ende beschränkt und wickle das andere wie bei den Wadenwickeln einfach mit ein.

Nun war ich nicht unbedingt so wirklich sparsam und habe mir „einfach“ 2x die Stoffbreite genommen und diese in der „Mitte“ aneinandergenäht. Fertig ist ein etwa 2,8m langer Gürtel, welcher einmal mit einem „Knopflochstich“ versäubert wurde. Zusätzlich wurde mit einem Rückstich eine gerade Nahtlinie erstellt, damit von außen das verwendete Leinengarn nicht sichtbar ist.
Als Abschluss dieses Schrittes, wurde das Werk von links auf rechts gedreht und ist bereit für die nächsten Anpassungen.

Aktueller Stand der Rubakha

Aktueller Stand der Rubakha

Im ersten Abschnitt wurde der Gürtel einmal unter dem Bügeleisen durchgejagt und so die richtige Form erzwungen.
Auch wurde auf die Länge des Gürtels „oben und unten“, etwa 1,5cm vom Rand entfernt, ein Zierstich angebracht. Zum Einatz kam hier ein Kettstich, aus roter Sockenwolle. Dieser Stich wurde meinen Quellen nach ende des 10 Jahrhunderts verwendet und kommt auf dem Stoffgürtel besser zur Geltung, als ein Hexen- oder Federstich. Außerdem musste der Gürtel bis zum Thing am folgenden Wochenende fertig werden und der Kettstich ging einfach schnell von der Hand.

Auf dem Bild rechts, ist die Rubakha sowie der Stoffgürtel zu sehen. Die Rubakha ist noch nicht gekürzt oder entsprechend versäumt (lohnt ja auch nicht, wenn ich noch etwas abschneide).